NICO Teil 2: Warum tote Zähne und Wurzelfüllungen den Kieferknochen krank machen
Durchblutung, Gerinnung und Umweltgifte – die wahren Hintergründe der chronischen Kieferknochenentzündung
Im ersten Teil habe ich beschrieben, was NICO ist – eine oft unsichtbare Entzündung im Kieferknochen, die hinter chronischen Gesichts- und Kieferschmerzen stecken kann. In diesem zweiten Teil gehen wir der entscheidenden Frage nach: Wie entsteht eine solche Kieferknochenentzündung überhaupt? Die Antwort führt mitten hinein in die ganzheitlich-biologische Zahnmedizin – zu toten Zähnen, Wurzelfüllungen, der Blutgerinnung und alten Umweltgiften.
Was „ischämische Osteonekrose" wörtlich bedeutet
Der medizinische Begriff hinter NICO heißt ischämische Osteonekrose – wörtlich: „totes Knochengewebe aufgrund schlechter Durchblutung". Wird ein Knochenbereich chronisch zu schwach durchblutet, stirbt das Knochenmark schrittweise ab. Daraus entstehen verschiedene Formen:
- ein faseriges (fibröses) Knochenmark,
- ein totes, fettiges Knochenmark – die sogenannte „nasse Fäulnis",
- ein sehr trockenes, fast ledriges Mark – die „trockene Fäulnis",
- oder ein regelrecht ausgehöhlter Hohlraum (Kaverne), in dem das Mark ganz fehlt.
Betroffen sein kann grundsätzlich jeder Knochen – am häufigsten sind es Hüfte, Knie und die Kiefer. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat dabei keinerlei Schmerzen. Und: Befällt die Erkrankung eine Seite, tritt sie später häufig auch auf der Gegenseite auf – bei der Hüfte ebenso wie im Kiefer.
Der unsichtbare Kern: eine Durchblutungs- und Gerinnungsstörung
Hier liegt die eigentliche Wurzel des Problems: Mehr als vier von fünf Osteonekrose-Patienten neigen dazu, vermehrt Blutgerinnsel in den Gefäßen zu bilden. Diese Gerinnungsneigung (Hyperkoagulation) ist oft erblich bedingt und wird von normalen Blutuntersuchungen nicht erfasst. Das Knochengewebe reagiert darauf besonders empfindlich: Es kommt zu Blutstau, erhöhtem Innendruck, Schmerzen und im schlimmsten Fall zu kleinen Infarkten im Knochen.
Hinweise auf eine solche familiäre Veranlagung sind etwa frühe Schlaganfälle oder Herzinfarkte (vor dem 55. Lebensjahr), künstliche Hüftgelenke oder „Arthrose" in jungen Jahren sowie tiefe Venenthrombosen. Auch chronisches Müdigkeitssyndrom und Fibromyalgie treten bei NICO-Patienten gehäuft auf. Passend dazu sprechen manche Betroffene auf eine Behandlung mit Gerinnungshemmern an.
Welche Rolle spielen Bakterien?
NICO ist in der Regel keine primäre Infektion – sondern zuerst eine Durchblutungsstörung, in deren geschädigtem Knochenmark sich dann sekundär Bakterien ansiedeln. Es sind keine exotischen Erreger, sondern typischerweise genau dieselben Keime, die wir in toten Zähnen und in erkranktem Zahnfleisch finden. Und weil viele Menschen über Wurzelfüllungen oder Parodontitis solche stillen Infektionen mit sich tragen, ist gerade das im Kiefer einer der stärksten Mechanismen, der die Knochendurchblutung weiter verschlechtert – ein Risikofaktor, den es in dieser Form in keinem anderen Knochen gibt.
Wen es betrifft – und warum NICO oft übersehen wird
- Mehr als 80 % der Kiefer-Fälle betreffen Frauen zwischen 35 und 55 Jahren – dokumentiert sind aber auch Patienten von 9 bis 94 Jahren.
- Etwa die Hälfte aller Fälle sitzt im Bereich der Weisheitszähne in Ober- und Unterkiefer.
- NICO ist keineswegs selten – Bevölkerungsstudien deuten auf zehntausende Betroffene jährlich hin; rechnet man die schmerzlosen „stillen" Fälle hinzu, dürfte die Zahl deutlich höher liegen.
- Im normalen Röntgenbild ist die Schädigung nicht erkennbar – erst Spezialverfahren wie der Tc-99-Knochenscan oder das 3D-Röntgen (DVT) machen die Herde sichtbar.
Wird NICO durch Wurzelkanalbehandlungen verursacht?
Viele NICO-Stellen liegen rund um wurzelkanalbehandelte Zähne – und das hat handfeste Gründe. Bei jeder Wurzelfüllung verbleiben Bakterien im Hauptkanal und in den kilometerlangen Seitenkanälchen des Zahnbeins; zusätzlich reagiert der Organismus auf das körperfremde Füllmaterial. Studien zeigen, dass mehr als 40 % der Wurzelbehandlungen technisch nicht einwandfrei ausgeführt sind. Die gebräuchlichen Materialien aus Kautschuk, Kunststoff-Sealer oder Cortisonpaste gelten zwar als „biokompatibel", können aber langfristig heftige Immunreaktionen auslösen.
Trotzdem ist die Wurzelfüllung nicht die ganze Geschichte – sonst ließe sich nicht erklären, warum so viele Fälle ausgerechnet an den selten wurzelbehandelten Weisheitszähnen und an alten Extraktionsstellen auftreten. Entscheidend ist die Kombination: Infektion und Trauma lösen eine Entzündung im Kieferknochen aus, dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die lokale Blutgerinnsel begünstigen. Bei einem Menschen mit ohnehin schwacher Durchblutung und ererbter Gerinnungsneigung kann schon dieser kleine Anstoß verheerend sein. Verstärkt wird das durch die gefäßverengenden Zusätze in örtlichen Betäubungsmitteln – weshalb manche Patienten ihren intensiven Schmerz erstmals kurz nach einer ganz routinemäßigen Zahnbehandlung verspüren.
Eine Erkrankung mit langer Geschichte – und einem Umwelt-Bezug
Die ischämische Osteonekrose ist uralt. Früher war sie sogar eine gängige Diagnose – nicht zuletzt wegen des damals allgegenwärtigen Einsatzes von Quecksilber, Ars, Wismut, Blei und anderen Schwermetallen in Heilmitteln und am Arbeitsplatz. Diese Gifte vertragen sich nicht mit einer gesunden Knochendurchblutung und reichern sich genau dort an, wo chronische Entzündungen sitzen. Damals sprach man von „chemischer Osteomyelitis" oder „Knochenkaries". Genau hier schließt sich der Kreis zur Umweltzahnmedizin: Schwermetalle und tote Zähne sind zwei Seiten derselben Belastung des Organismus.
Wie wir NICO in Düsseldorf behandeln
Aus all dem folgt unser ganzheitlicher Behandlungsansatz: Der Körper kann die Erkrankung nur selten allein ausheilen – bei Kieferproblemen beseitigt die schonende chirurgische Ausschabung des erkrankten Knochenmarks das Problem bei einem Großteil der Patienten. Wir arbeiten dabei besonders gewebeschonend (Piezochirurgie) und reinigen das Knochenfach gründlich, damit gesundes, durchblutetes Gewebe nachwachsen kann.
Ebenso wichtig ist für mich der Blick auf das Ganze: Wir prüfen die Gerinnungsneigung, entlasten den Körper von Schwermetallen und stärken Durchblutung und Grundregulation – damit kein neuer Störherd entsteht.
Wenn Sie unter ungeklärten Kiefer- oder Gesichtsschmerzen leiden oder tote bzw. wurzelbehandelte Zähne tragen, lohnt der genaue Blick. In unserer ganzheitlich ausgerichteten Praxisklinik im Zentrum von Düsseldorf gehen wir diesen verborgenen Zusammenhängen konsequent auf den Grund. Sprechen Sie uns an.
Ihr Dr. Hansjörg Lammers